Wiens erster Erzbischof

Vor 250 Jahren, am 4.4.1751, starb der erste Erzbischof von Wien, Sigismund Graf Kollonitsch (auch Kollonits, Kollonitz). Einer ursprünglich kroatischen Adelsfamilie entstammend, wurde Sigismund Kollonitsch am 30.5.1677 in Gross-Schützen, dem heutigen Velke Levare in der Slowakei, nahe der jetzigen österreichischen Grenze, geboren. Er wurde zunächst bei den Jesuiten in böhmisch Neuhaus (Jindrichuv Hradetz) unterrichtet, kam zum Theologiestudium nach Rom und wurde schließlich 1699 zum Priester geweiht. 1709-1717 war er Bischof in Vac, Ungarn, anschließend Bischof in Wien. Als solcher hat er am 13.5.1717 die spätere Kaiserin Maria Theresia aus der Taufe gehoben.

Ein für Wien wichtiges Ereignis fällt ins Jahr 1722: Papst Innozenz XIII. hat einem von Kaiser Karl VI. lange gehegten Wunsch Rechnung getragen und die Bulle "suprema dispositione" erlassen - Wien wurde Erzbistum. Am 24.2.1723 erfolgte der feierliche Einzug des neu ernannten Erzbischofes Sigismund Kollonitsch in den Stephansdom. Die Stephanskirche wurde Metropolitankirche. Mit der Erhebung Wiens zum Erzbistum waren territoriale Veränderungen verbunden: Das Bistum Passau mußte das Viertel unter dem Wienerwald an Wien abtreten, die Dekanate Bruck/Leitha und Baden mit den Pfarren Purkersdorf, Hütteldorf, Mauerbach, Sievering, Heiligenstadt, Kahlenberg und Klosterneuburg fielen 1725 an Wien. Wiener Neustadt wurde Suffraganbistum von Wien (bis 1784).

1727 wurde Erzbischof Kollonitsch der Kardinalspurpur verliehen; 1738 wurde er vom Papst zum "Protector Germaniae" ernannt, demgegenüber trug der Salzburger Erzbischof den Titel "Primas von Deutschland".

So bedeutende Wiener Kirchen wie die Karlskirche, Peterskirche, Piaristenkirche, erlebten unter Kollonitsch ihre Fertigstellung bzw. wurden von ihm geweiht (die Karlskirche 1738). Auch sein soziales Engagement war bedeutend (ähnlich wie bei seinem Großonkel, dem Wiener Neustädter Bischof Leopold Graf Kollonitsch, 1631-1707, der während der 2. Türkenbelagerung großzügigste Hilfsaktionen für die notleidende Wiener Bevölkerung organisiert hatte). 1718 wurde mit dem Bau des "Spanischen Spitales" in der Boltzmanngasse (diese Gasse hieß dementsprechend einst "Am spanischen Spitalberg") begonnen und die heute noch bestehende, von Anton Ospel erbaute Kirche "Santa Maria de Mercede" von Kollonitsch geweiht. Das Spital sollte der Aufnahme und Behandlung von Veteranen aus dem spanischen Erbfolgekrieg bzw. von Dienstleuten aus den einst spanischen Besitzungen des Kaisers in Süditalien dienen. Bei der zweiten Spitalsgründung handelt es sich um das sog. "Invalidenhaus" auf der Landstraße im 3. Bezirk (die heutige "Invalidenstraße" erinnert daran), eine Art Versorgungshaus für Arme und Alte. Dabei wurde auf den ehemalig gräflich Kielmannsegg'schen Gründen ein vorbestehendes Gebäude entsprechend vergrößert. Das Invalidenhaus wurde erst 1909 abgerissen. Bei der Errichtung des Churhauses am Stephansplatz schließlich trug Kollonitsch einen beträchtlichen Teil der Baukosten.

Am 4.4.1751 schloß der bedeutende Kirchenfürst im Wiener Erzbischöflichen Palais für immer die Augen. Er wurde unter großer Anteilnahme der Wiener Bevölkerung im Stephansdom beigesetzt. An der Nordwand des Frauenchores befindet sich seine Portraitbüste mit Inschrift, dazugehörige Barockfiguren wurden zerstört. Der Schöpfer dieses Grabmonumentes war Johann Nikolaus Moll (1709-1743), er starb im selben Jahr, in dem er die Büste vollendete - 8 Jahre vor dem Tod des Kardinals. Molls jüngerer Bruder, der berühmte Balthasar Moll, hat dann, wenige Jahre später, das Grabmal des Nachfolgers von Kollonitsch, Kardinal Johann Josef Graf Trautson, +1757, geschaffen. Es ist dem Grab Kollonitsch' unmittelbar benachbart. Wer das Kollonitsch-Grabmal aus der Nähe betrachten will (im Stephansdom ist dies nur auf Distanz möglich, der Frauenchor ist meist unzugänglich), mag sich auf den Rathausplatz begeben. Dort steht, in einer Reihe mit anderen berühmten Persönlichkeiten, das steinerne Denkmal des Kardinals.

Dr. Klaus Frimmel

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